Vorwort

Vorwort: Sich besser verstehen

Seit langem bestehen in unserer Landeskirche wertvolle und tragfähige Kontakte zwischen Juden und Christen. Als in einem Gespräch bei Landesbischof Meister der damalige Landesrabbiner Sievers und Rabbiner Dr. Lengyel in die Überlegungen zur geplanten Verfassungsänderung einbezogen wurden, sagten beide Rabbiner sinngemäß: „Wir finden es gut, dass Ihr Eure Verfassung ändern wollt. Entscheidend ist aber, was daraus konkret in den Gemeinden gemacht wird. Die Verfassungsänderung darf nicht ein Text auf dem Papier bleiben, sie muss Eingang ins Leben der Gemeinden finden.“

Diese Forderung ist uns deutlich in Erinnerung geblieben. Darum haben wir uns nach dem Beschluss der Synode gefragt: Wie kann die in der Verfassungsänderung festgehaltene neue Sicht – auf das Judentum, aber auch das darin sichtbar werdende erneuerte Selbstverständnis unserer Kirche – Eingang ins Leben der Gemeinden finden? Wir sind dazu die vielfältigen Handlungsfelder der Kirche durchgegangen und haben gefragt: Wo kann die neue Sicht auf das Judentum eine Rolle spielen? Wie kann ein bestimmtes Thema den Gemeindegliedern so nahe gebracht werden, dass sie spüren: Das geht auch mich etwas an!

Das Verhältnis des Christentums zum Judentum bleibt ein schwieriges Thema, das in Gesprächen gerne ausgeblendet wird. Oft blockieren vertraut gewordene Überzeugungen einen offenen Dialog. Das Motto „Sich besser verstehen“ enthält deshalb einen doppelten Anspruch. Zum einen wollen wir mit dem Gegenüber in einen christlich-jüdischen Dialog auf Augenhöhe treten. Zum anderen werden wir gefordert, uns geistig auf diesen Dialog vorzubereiten. Damit ist sowohl der Erwerb von neuem Wissen verbunden als auch die kritische Auseinandersetzung mit überkommenen Positionen, die den Dialog behindern. Insofern schwingt bei dem Titel beides mit: „sich“ – im Sinne von einander – besser verstehen ebenso wie sich selbst – als Christin, als Christ im Angesicht des Judentums.

Ziel dieser Arbeitshilfe für die Praxis ist es, fertige Texte und Entwürfe zu Themen des jüdisch-christlichen Dialogs so zu präsentieren, dass sie möglichst einfach genutzt werden können. Die Autorinnen und Autoren haben ihre Beiträge eigens für diesen Materialordner verfasst. Ihnen und allen anderen, die an der Entstehung dieser Arbeitshilfe mitgewirkt haben, sei herzlich gedankt.

Nun legen wir den Ordner in Ihre Hände. Sie finden darin Schwerpunkte für Gottesdienst – fertige Lesepredigten ebenso wie Gebete und Andachten –, Gemeindearbeit – z. B. einen Stationenlauf für Kinder, Bildungsmodule für (junge) Erwachsene sowie Angebote für Frauen-, Männer- und Bibelkreise und speziell auch für Senioren/-innen – und zwei Einheiten für den Konfirmandenunterricht. Zu jedem einzelnen Thema finden Sie auf der ersten Seite einen Überblick, die Angabe der Zielgruppe und ggf. alternative Zielgruppen, den Zeitbedarf und die benötigten Materialien. Zu vielen Themen gehören Unterlagen zum Kopieren und Verteilen; sie sind hier als Kopiervorlagen beigefügt und stehen auch unter www.arbeitshilfe-christen-juden.de bereit. –  Im Ordner ist noch Platz für weitere Materialien, zum Beispiel die Arbeitshilfen für den Israelsonntag. So haben Sie immer alles griffbereit zur Hand.

Wir hoffen vor allem, dass Sie die Materialien in Ihren Gemeinden in Gebrauch nehmen und fruchtbar machen. So kann der Wunsch der Rabbiner Wirklichkeit werden und das erneuerte Verständnis von Kirche und Judentum tief in unserer Landeskirche Raum greifen.


OLKR Prof. Dr. Klaus Grünwaldt, Landeskirchenamt und
Pastorin Dr. Melanie Mordhorst-Mayer, Haus kirchlicher Dienste

Fotos: Jens Schulze, Cordula Paul

 

Dr. Melanie Mordhorst-Mayer

Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt