"Ich will dich segnen..." (Gen 12,2) - Teil 1

"Ich will dich segnen..." (Gen 12,2)

Seminar zum Thema Segen – Teil 1

Von Bettina Rehbein

Inhalt: Theologie des Segens, Segensformen im Alltag; Inspiration durch die jüdische Berachot-Praxis, Segen in der Bibel, der aaronitische Segen

Foto: Bettina Rehbein

 

Lied: 2 Min.

„Komm, Herr, segne uns“ (EG 170)

Einstieg: 3 Min.

„An Gottes Segen ist alles gelegen“, sagt der Volksmund und benennt damit Gott als Ursprung des Segens. Andererseits heißt es auch „sich regen bringt Segen“ und meint damit, dass unser menschliches Verhalten zu Segen führt. Gott segnet Sara (Gen 17,16: „(…) ich will sie segnen und Völker sollen aus ihr werden“). Abraham sagt er zu: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (Gen 12,2)

Wir wollen darüber nachdenken, wie beides zusammengehört, Gottes Segen und unser menschliches Segnen.

Dabei fragen wir nach biblischen Quellen, nach dem jüdischen und christlichen Verständnis des Segnens im Alltag und im Gottesdienst. Sparen wir mit Segen oder teilen wir ihn reichlich aus?

Die Ursprungsform des Segens ist der Gruß. So sagt z.B. Elisabeth zu Maria in Lk 1,42: „Gegrüßet (gesegnet) seist du unter den Frauen.“

Übung: 10 Min.

Wir bewegen uns im Raum, nennen unsere Namen, begrüßen uns, berühren uns vielleicht, verabschieden uns. Dabei benutzen wir Grußformeln aus allen Sprachen, die uns einfallen: Grüß Gott, Moin, Schalom, salam aleikum, selam, bonjour, Adieu…

Was fällt uns auf? Welche Gesten finden wir, wenn wir uns begegnen? (Sammeln der Worte entweder auf Moderationskarten an der Pinnwand oder am Flipchart.)

Fazit kann sein: Der Gruß beinhaltet oft einen Bezug zu Gott, Wünsche, Hoffnung auf Frieden…
 

Erklärung: 5 Min. Segnen kommt im Deutschen von „signare“, „bezeichnen“ (christliche Zuspitzung: „mit dem Kreuz be-zeichnen“). Das lateinische benedicere (Bedeutung der Benediktionen im Katholizismus!) heißt „gut(es)-sagen“, griech. eulogein, hebr. barach. Es geht also um eine Doppelbedeutung: Einerseits Gutes ausdrücken, Wünsche formulieren und andererseits „loben“ und „preisen“ – segnen. Zur jüdischen Spiritualität gehört elementar dazu, dass Gott gesegnet bzw. gepriesen wird. Segnen ist verbunden mit Gesten – erhobene oder jemandem aufgelegte Hände.
Brainstorming in Murmelgruppen
und Plenum:
20 Min.
 

Welche Segensrituale kenne ich in meinem Leben, im Alltag, in der gottesdienstlichen und kirchlichen oder interreligiösen Praxis?

Im Plenum: Vignetten (kleine Szenen) zeigen oder eine Skulptur/ein eingefrorenes Bild präsentieren. Dabei stellt die Leiterin (LN) die Frage: Welche Gefühle sind mit der Segenshandlung verbunden?
 

„Kampf um den Segen“ - Jakob am Jabbok
8 Min.

Das Thema Segen durchzieht die hebräische Bibel. Das erste Handeln Gottes an seinen Geschöpfen ist sein dreimaliges Segnen (Wassertiere/Vögel - Mensch - Sabbat). Gottes Bundesschluss, seine Verheißung an Abraham (Gen 12), seine Erwählung ist Segenshandeln. Bei den Väter- und Müttergeschichten spielt der Segen der Fruchtbarkeit und der Generationensegen eine große Rolle.

Wir wollen uns jetzt mit Jakob beschäftigen. LN erzählt die Lebensgeschichte Jakobs (Gen 25-33). Kurz skizzieren: Erschleichung des Vater-Segens durch Betrug, Flucht nach Haran, Gelübde nach Vision der Himmelsleiter, Segenserfahrung durch seine Frauen Lea und Rahel, Familie, materieller Reichtum, inneres Zerrissensein, Verfolgtsein von seiner Schuld, Rückkehr in die Heimat, um sich mit Esau zu versöhnen, Weitergeben der Segensgabe Gottes an Esau (vgl. Gen 33,11).
 

Text: Gen 32, V. 23 bis zunächst V. 27
5 Min.

Lesung des Textes durch eine Teilnehmerin (TN).

Welche Einfälle und Bilder entstanden beim Hören? Sammeln von Assoziationen, ohne diese zu kommentieren.
 

Vorbereitende Gruppenarbeit für eine szenische Darstellung
15 Min.

Bitte setzen Sie sich zu fünft  zusammen und tauschen Sie sich aus: In welchen Situationen meines Lebens habe ich eine ähnliche Erfahrung wie Jakob gemacht und um den Segen gekämpft? Mit wem habe ich gekämpft? Mit Gott, mit einem Menschen? Wo und wann hat der Kampf stattgefunden?

Nach dem Austausch wird in jeder Gruppe eine Frau ausgewählt, die das Erzählte mit Hilfe der anderen in einer kleinen Szene im Plenum darstellen wird.
 

Psychodramatische Vignetten (kurze Szenen)

30 Min.

Es wird ein kleiner Teil des Raumes als imaginäre Bühne „markiert“. Einzelne TN aus den Gruppen zeigen ihre biographischen Szenen: Sie nennen Ort und Zeit, ihr eigenes Alter zum Zeitpunkt der Situation. Mitspielerinnen aus der Kleingruppe nehmen Rollen der Beteiligten am „Segenskampf“ ein. Die Protagonistin „doppelt diese ein“, indem sie sich hinter die Stellvertreterin stellt und Angaben zur Person macht („du bist…“) Da die Szene vorher erzählt wurde, spielt die Gruppe intuitiv. Die LN steht nahe bei der Protagonistin und fragt sie nach ihren Gefühlen. Ist die Szene für die Protagonistin nicht stimmig, kann sie aus der Szene herausgeholt werden, sie zeigt dann den Mitspielerinnen in einem Rollentausch, wie die gezeigten Reaktionen stimmig sind. Nach jeder Szene, die jeweils max. 5 Min. dauern soll, leitet die LN ein kurzes Feedback aus den Rollen an. Die übrigen TN können ergänzen, inwiefern sie sich mit einzelnen identifiziert haben.

Abschluss: Gen 32, V. 28-32 lesen: Der Gesegnete bleibt angeschlagen und sieht das Licht der Morgenröte. Er bekommt einen neuen Namen und kann dann eine Versöhnung mit seinem Bruder erleben. Bei dieser Begegnung sagt Jakob zu Esau: „(…) denn ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht und du hast mich freundlich angesehen.“ (Gen 33,10).

Lied: 2 Min.  „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ EG 607

 

 

Überblick

Zielgruppe: Frauenkreis/Frauengruppe

Alternative Zielgruppe: Männer- oder gemischter Kreis

Einsatzgebiet: Zweiteiliges Seminar (siehe auch Teil 2)

Zeitumfang: für diesen Seminarteil ca. 100 Minuten

Material: Moderationskarten und Pinnwand oder Flipchart, Eddings

Die Autorin

Bettina Rehbein ist Pastorin und Referentin im Arbeitsfeld Arbeit mit Frauen (Frauenwerk) im Haus kirchlicher Dienste der Ev.-lutherischen Landeskirche Hannovers.